Offener und konstruktiver Brief an die ‚Interventionistische Linke‘

Wer kennt sie nicht, die Trotzkist_innen vom ‘Linksruck’? Stets bereit, mit gut durchdachten Vorschlägen die Bevölkerung vor Irrwegen zu bewahren (“Wählt Schröder!”), die “Rettung der Umwelt” vor der Klimakatastrophe zu bewerkstelligen, indem man die “Wirtschaft zugunsten unserer Zukunft in die Schranken” weist und die Vertriebenen-Novelle “Im Krebsgang” von SS-Onkel Günter Grass als “Mahnung gegen den Krieg” zu verteidigen.
Was wäre die linke Szene nur ohne diese sympathischen Hizbollah-Fans und ihren dem Volke zugewandten Entrismus? Kaum werden Auflösungsgerüchte
ventiliert, springt eine nicht weniger sympathische Vereinigung für die ‘Ruckies’ in die Bresche:
Die ‘Interventionistische Linke’ [IL].
Ähnlich dem ‘Linksruck’ publiziert sie eine regelmäßig erscheinende Massenzeitung, ‘G8Xtra’. Und ähnlich der trotzkistischen Organisation beteiligt sie sich eifrig an “breiten Bündnissen” mit attac, NGOs, Gewerkschaften und Pfaffen. In der aktuellen Ausgabe der ‘G8xtra’ bewirbt die IL ein „Music and Message-Konzert” mit Herbert Grönemeyer sowie den von der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche organisierten “Heiligen Damm des Gebets”.
Wie einst der ‘Linksruck’ ergeht man sich in allerlei konstruktiven Überlegungen. Für die Ökopolitik hat das Umweltministerium der IL bereits folgendes Programm ausgearbeitet: “Was wir eigentlich bräuchten, wäre ein massiver Ausbau erneuerbarer Energien, ein Programm zur Energieeinsparung und ein gerechtes Modell, wie die aufstrebenden Ökonomien des Südens den fossilen Entwicklungspfad überspringen können.”
Während im Trikont den “aufstrebenden Ökonomien” auf die Sprünge geholfen werden soll, weiß die IL auch in Deutschland um Missstände, die der Abhilfe bedürfen. Dabei geht man noch über die bereits sehr eloquente Kritik des ‘Linksruck’ an den G8-“Bonzen” und deren dekadenten Ausschweifungen hinaus. So ist in der neuen ‘G8xtra’ zu lesen:
“Kein souveränes, angstfreies Bild geben sie ab, diese Orwellschen Brüder und Schwestern, die sich da in einem Luxus-Hotel verschanzen. Einem Luxus-Hotel übrigens, in welchem eine Übernachtung […] mehr als den zweieinhalbfachen ALG-II-Satz/Ost kostet, auf welchen bei rund 20 Prozent Arbeitslosigkeit ein Gutteil der umliegenden Bevölkerung gesetzt ist, bei welcher der Zaun zum Teil traumatische Assoziationen mit der innerdeutschen Mauer respektive dem antifaschistischen Schutzwall aufkommen lässt [Hervorhebung g8m]. Kein Spaß ist es zudem, die Kosten von Auf- und wieder Abbau des paranoiden Projekts, die polizeilichen Personalkosten und kostspieligen Gelage der Herren und Damen von Welt und den ganzen anderen Gipfel-Firlefanz von Heiligendamm auf Hartz-IVHäppchen herunterzurechnen.”
Eins unterscheidet die IL doch vom eher autoritären ‘Linksruck’: sie will ihrer Gefolgschaft das eigenständige Denken nicht untersagen. Sie lässt darum die Frage, um welchen Schlag von Menschen es sich eigentlich bei Jenen handelt, die von einem “ANTIfaschistischen Schutzwall” traumatisiert werden, unbeantwortet. Die Logik legt allerdings nahe, dass es sich bei solchen Menschen um PRO-Faschist_innen handelt.
Wir möchten der IL darum ganz kreativ-konstruktiv anraten, sich in ‘Interventionistische Rechte’ umzubennen. Ein solcher, selbstverständlich rein strategischer Move wäre ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Verhinderung des G8-Gipfels gemeinsam mit Parteien, Kirchen, Gewerkschaften und der Bevölkerung vor Ort. Auch der “Antideutschtümelei” [IL-Zentralratsmitglied Thomas Seibert] wäre mit diesem Schritt eine endgültige Absage erteilt.
Für jene, die nicht von antifaschistischen Bauwerken, sondern von schwarz-rot-goldenen Flaggenmeeren und den entsprechenden Begleiterscheinungen wie Ausgrenzung, Abschiebung und rassistisch/antisemitischen Angriff traumatisiert sind und die von der IL und anderen Linken derzeit aus äußerst wichtigen Gründen vernachlässigt werden, versuchen wir, Solidarität zu organisieren. Bei diesen Traumatisierten handelt sich schließlich nur um eine kleine, zahlenmäßig unbedeutende Minderheit. Die “Massen” strömen ja nach Heiligendamm, um ihr Mauer-Trauma zu bewältigen …

Erstunterzeichner_innen:

gruppe 8. mai [ffm/brln/ny]
initiative anti_konsens hessen
antideutsche antifa pittsburgh
communistische assoziation rhein/main

6 thoughts on “Offener und konstruktiver Brief an die ‚Interventionistische Linke‘”

  1. Süß. Der Deutsche. Unfähig zu Erfahrung. Merkt nicht mal, wo er seinen “Schwachsinn verzapft”. Will es auch gar nicht wissen, denn: “20 Hundertschaften Polizei die prügeln sollen” ist ihm alles. “Um es mal ganz krass auszudrücken:” Gewalt ole ole.
    “Letztendlich unterscheidet ihn von dem rechten Gelumpe in Verhalten und Auftreten nur eines:”
    Die fehlende Bereitschaft, selbst zum Baseballschläger zu greifen. Die Drecksarbeit lässt er am Liebsten Andere machen.

  2. Wenn ich diesen ganzen Schwachsinn nach den Vorkommnissen von Rostock lese, wir mir schlecht.Glaubt ihr eigentlich selbst den ganzen Müll den ihr hier verzapft und versucht unter das Volk zu bringen. Anscheinend schon, denn sonst würde so ein grüner Junge wie Tim Laumeyer die Schuld für die extremen Ausschreitungen in Rostock nicht einer, O-Ton:
    “dafür bekannten Berliner Polizeieinsatzgruppe”
    in die Schuhe schieben, sondern denen die es tatsächlich waren,nämlich den schwarz vermummten und vorn vorne herein gewaltbereit angereisten Chaoten, denen eine normale Demonstration vollkommen fremd ist, und für die Demosntration glechzusetzend ist mit Randale und Prügeln.
    Wie weltfremd und hirnlos muss man eigentlich durchs Leben laufen, um den von euch beschrittenen Weg für “richtig und gut” zu heissen.
    Ihr meckert über diesen Staat, aber am Monatsersten seid ihr die jeigen die die Hand aufhalten und ihre Stütze abzuholen. Letztendlich unterscheidet euch von dem rechten Gelumpe in Verhalten und auftreten nur eines:

    Das Aussehen.

    Ich hoffe dass die Regierung durch die Vorfälle in Rostock etwas dazu gelernt hat. Namentlich bekannten Chaoten und Linksradikalen Autonomen gehört definitiv bei Veranstaltungen wie dem G8 -Gipfel, von dem man sicherlich geteilter Meinung sein muss,verboten.
    Um es mal ganz krass auszudrücken:
    Deutschland braucht weder das rechte Pack, aber euch linkes Gesocks erst recht nicht.
    Für meinen Geschmack hätten es in Rostock 20 Hundertschaften Polizei mehr sein können, die den linken Chaotenhaufen hätten aus der Stadt prügeln sollen.

  3. Ist das hier eine Scherzseite? Die obere Hybris und dann das paradox-narzisstische Gelalle des Herrn Marut lässt dies jedenfalls vermuten.
    fragt sich
    Claudius

  4. Der Individualanarchist Ret Marut wusste bereits im Dez. 1921: “Mehrheit ist Herrschaft”

    http://www.copyriot.com/sinistra/reading/nicht1.html

    “ich warte nicht auf die masse; denn ich bin die masse. ich warte nicht auf die revolution; denn ich bin die revolution. ehe die revolution ist, muß der revolutionär sein! ehe die masse ist, muß der einzelne sein! ehe die einigkeit ist, muß der eine sein, der selbe! das wort muß sein, bevor das feldgeschrei und die parole sein können. demokratie ist mehrheit, mehrheit ist herrschaft. die mehrheit ist das gewand, unter dem der nicht-mensch den dolch verborgen hält. mehrheit ist die hirnzelle derer, die nicht zu denken vermögen. mehrheit ist das szepter der betrüger und halunken. abstimmung ist beabsichtigter betrug, weil der niedergestimmte im recht ist. abstimmung und mehrheit sind die blutrünstigen henker der menschen.”

  5. Polemik überzeichnet, um den Angesprochenen durch den im besten Falle auftretenden Schock eine Erkenntnis zu bescheren.
    D. h.: Natürlich glauben wir nicht, dass die IL morgen geschlossen zu den Kameraden von der anderen Feldpostnummer überläuft. Aber in der oben zitierten Passage wird offenkundig, was die Anti-G8niks sich mit ihrem Massenansatz einkaufen: ressentimentgeladene Hetze gegen Privilegien (“Gelage”) ohne die Perspektive eines ausschweifenden Lebens für alle ebenso wie die Affirmation der “Tyrannei der Mehrheit” (Marcuse), der Deutschnationalen. Jene werden von der IL bedauert, die sich nicht vom “Trauma” der deutschen Teilung erholt haben, anstatt diese Teilung als einzig richtige Konsequenz aus dem NS (ebenso wie als Bremse für das hiesige Kapital) zu begrüßen und sich mit denen zu solidarisieren, die nach dem Fall des Schutzwalls dem Mob ausgeliefert wurden.

  6. das der staatssozialistische name der mauer nunmal antifaschistischer-schutzwall war, könnt ihr, bei aller berechtigter kritik, wohl kaum der IL in die schuhe schieben.
    damit wird dann auch der versuch dieser pro-faschistische tendenzen zu unterstellen, bzw allen die ein negatives bild vom staatsozialismus haben selbiges zu unterstellen ein wenig absurd.

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